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 Betreff des Beitrags: Paramyxovirus Infektionen der Psittaziden (PMV-1 und 3)
BeitragVerfasst: 14.11.2008, 13:14 
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Paramyxovirus Infektionen der Psittaziden (PMV-1 und 3)


Bei den durch Paramyxoviren verursachten Krankheiten unterscheidet man zur Zeit (mittels HAH) zwischen 9 Serotypen, PMV-1 bis PMV-9, die jeweils verschiedene Vogelspezies betreffen und eine relativ unterschiedliche Pathogenität besitzen und eine Symptomatik verursachen.

Nur die Stämme 1 und 3 haben als Krankheitserreger bei Psittaziden Bedeutung erlangt.



PMV-1 verursacht die vor allem das Wirtsdchaftsgeflügel betreffende Newcastle-Krankheit (NK) oder atypische Geflügelpest. Einzelne Isolate innerhalb des Serotyps 1 (aPMV-1) variieren in ihrer Virulenz, so daß man velogene, mesogene und lentogene (auch als Lebendimpfstoffe verwendete) und avirulente Stämme unterscheidet. Außer Haus- und Wildgeflügel erkranken auch Ziervögel und Papageien. Insgesamt konnte bei mehr als 250 Vogelspezies NKV nachgewiesen werden. Bei mehr als 50 der insgesamt 340 Papageienspezies wurde bisher velogenes NKV diagnostiziert.

Die ND ist eine Zoonose und verursacht beim Menschen eine leichte Konjunktivitis und Sinusitis. Sie ist durch die Verordnung zum Schutz gegen die Geflügelpest und die Newcastle-Krankheit (Geflügelpest-VO) vom 21.Dezember 1994 gesetzlich geregelt und unterliegt in der EU und in Deutschland der Anzeige- und Bekämpfungspflicht.

Alle aus verdächtigen Seuchenausbrüchen isolierten Viren müssen im hierfür zuständigen Nationalen Referenzzentrum (Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere, D-17498 Insel Riems) auf Virulenz überprüft werden. Liegt der Intracerebrale Pathogenitätsindex (ICPI) über 0,7 wird das Virus als hochvirulent eingestuft und ist damit anzeige- und bekämpfungspflichtig.

Das NKV breitet sich horizontal über Kot und Körpersekrete von erkrankten, aber auch von klinisch gesund erscheinenden Vögeln aus. Eine große Rolle bei der Übertragung spielen Wild- (Zug-)vögel, in Europa vor allem Tauben. Importierte Wildfänge von Psittaziden infizieren sich üblicherweise durch virushaltige Ausscheidungen des Hausgeflügels bei den Fängern und Händlern. Die Virusaufnahme erfolgt aerogen. Die Inkubationszeit beträgt 2-28 Tage. Dadurch kommt es regelmäßig in Quarantänestationen zu ersten Krankheits- und Todesfällen.

Das NKV besiedelt nach einer ersten Virämie mit deutlich über 42 °C Fieber Atmungs- und Verdauungstrakt, Nieren und ZNS. Die Blutgerinnung ist gestört, es treten großflächige Organblutungen auf. Das klinische Bild ist gekennzeichnet durch Fieber, Apathie, Durchfall und schließlich ZNS-Störungen sowie Lähmungen der Flügel und der Beine. Eine Heilung tritt nicht ein. Im klinischen Verlauf bestehen erhebliche Unterschiede bei den einzelnen Psittaziden-spezies. Afrikanische und südamerikanische Arten gelten als besonders empfänglich.

Als Krankheits- und Todesursache sind bei Psittaziden nur die velogenen NKV-Stämme bedeutsam. Diese können relativ leicht aus Tupferproben (Rachen, Kloake) oder Organmaterial angezüchtet werden. Ist die Diagnose ”Newcastle Krankheit” gesichert, werden tierseuchenrechtliche Maßnahmen vom zuständigen Veterinäramt eingeleitet.

Eine kausale Therapie ist nicht möglich. Moribunde Vögel sollten zur Minderung des Infektionsdrucks schnellstmöglich euthanasiert und unschädlich beseitigt werden. Notimpfungen mit Lebend- und Inaktivatvakzinen sind nur mit Zustimmung der Veterinärbehörden möglich. Die symptomatische Therapie zielt auf Flüssigkeitsersatz wegen der anhaltenden Enteritis und Unterstützung der Blutgerinnung durch hohe Vitamin K-Gaben.

Als vorbeugende Schutzimpfung von klinisch gesunden Psittaziden können die für Huhn, Pute und Taube zugelassenen Lebendimpfstoffe aus den lentogenen Stämmen Hitchner B1 und LaSota (nasale Applikation einer Hühnerdosis je Psittazide; Impfschutz 3-6 Monate) oder die Inaktivatvakzinen, z.B. Colombovac® (0,2-0,4 ml je nach Größe der Psittaziden; Impfschutz 1 Jahr) im Sinne einer Umwidmung eingestzt werden.

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PMV-3 Infektionen der Papageien. Syn. ”Drehkrankheit”, Paramxovirus Type 3 infection of parakeets

PMV-3-Infektionen kommen bei Psittaziden recht häufig vor. Die Serogruppe 3 enthält die Paramyxoviren der Pute und der Papageien, die sehr eng verwandt, aber nicht identisch sind. In einigen Papageienzuchten kommt das aPMV-3 endemisch vor. Bezüglich ihrer Pathogenität sind die Isolate sehr unterschiedlich. Neophema-Spezies, der Singsittich, Nymphensittiche und Agaporniden sind besonders betroffen. Finken sind ebenfalls empfänglich.

Die Virusverbreitung erfolgt durch Handel mit klinisch inapparent infizierten Ausscheidern. Zur Pathogenese liegen noch keine gesicherten Daten vor; vermutlich ähnelt sie derjenigen des aPMV-1. Die Virusauscheidung erfolgt mit dem Kot und Sekreten aus Nase, Rachen und Augen. Nach oronasaler Aufnahme kommt es zu einer Virämie und Besiedlung von Organen, besonders des ZNS und des Pankreas.

Die klinischen Symptome bestehen anfangs meist aus leichten respiratorischen Beschwerden und Bewegungsunsicherheiten. Nach weinigen Tagen kommt es dann zu zentralnervösen Störungen wie Torticollis, Opisthotonus, Kreisbewegungen (Drehkrankheit) sowie Flugunfähigkeit. Oft besteht ein Kopfzittern, das sich bei Aufregung verstärkt. Ein- oder beidseitige Paralyse wird ebenfalls häufig beobachtet. In der Regel wird noch selbständig Futter und Wasser aufgenommen, wenn es in Reichweite angeboten wird. Daneben besteht oft eine Pankreatitis mit typisch hell (gelb-weiß) verfärbtem Kot, in dem der Stärkenachweis mittels Lugolfärbung positiv ausfällt.

Eine spontane Regression der nervalen Symptome ist selten. Die betroffenen Psittaziden können jedoch bei guter Versorgung Wochen überleben. Auffallend sind lange anhaltende ZNS-Symptome und deutlich erhöhte Todesraten. Darüberhinaus können in einem Bestand klinisch gesunde Psittaziden vorhanden sein, die über längere Zeiträume Virusausscheider sind.

Eine Verdachtsdiagnose ergibt sich aus den klinischen Befunden. Unter Umständen gibt es auch Hinweise auf eine Viruseinschleppung durch Neuzukäufe. Die Diagnose wird durch Virusisolierung aus Rachen- und Kloakenabstrichen abgesichert. Dabei ist eine Serotypisierung erforderlich, um die anzeigepflichtige Newcastle-Krankheit auszuschließen.

Beim Einzeltier muß differentialdiagnostisch ein akutes Trauma sowie eine Pankreasinsuffizienz anderer Genese ausgeschlossen werden.

Eine erfolgreiche Behandlung ist nicht bekannt. Tiere mit ZNS-Symptomen und allgemeiner Auszehrung werden mit Elektrolyten und Vitaminen sowie mit Breitspektrumantibiotika abgedeckt und evtl. zwangsgefüttert.

Prophylaktisch sollten bei Zukauf von Psittaziden die allgemeinen Quarantänemaßnahmen eingehalten werden. Eine kommerziell hergestellte Vakzine gibt es bisher nicht. Bestandsspezifische Inaktivatvakzinen können hergestellt werden.

Die für Puten zugelassenen, inaktiviertes Puten-PMV-3 enthaltenden Impfstoffe (Trituren® , Rhone Merieux) können zumindest mit einem Teilerfolg auch zur Immunisierung von Psittaziden eingesetzt werden.
Quelle

(Kompendium der Ziervogelkrankheiten, Kaleta und Krautwald-Junghanns, Hrsg., 1999)

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